Kunst im öffentlichen Raum

Bis Sonntag soll der erste Teil des Graffitis fertig sein. Bis dahin haben André Pfeiffer und Tom Berger (r.) noch einiges an Arbeit vor sich. 
Foto: Christian Zörkler

Neues Wandgemälde: Ein Drache wacht über die Südstadt

Wer in den letzten zwei Wochen beim Lidl an der Viehhofstraße vorbei kam, staunte nicht schlecht: An einer schmucklosen Betonwand entsteht aktuell ein großflächiges Graffiti. André Pfeiffer, Andreas Gothsch, Tom Berger und Dan Dinsing sind seit Anfang Juli damit beschäftigt, mehr Farbe ins Viertel zu bringen – in Form eines Drachen.

Die Idee dazu hatte Darius Frye. 2024 hatte er sich für das Gemeinwohl-Stipendium des „Projekt Vereinfachen“ beworben und für seine gemeinnützige Arbeit sechs Monate lang je 550 Euro bekommen. Das Projekt wird von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, Knipex, W-Tec und Wuppertalaktiv getragen. Die Idee damals: „Die Südstadt beleben – ich möchte das Quartier gerne mehr aufwerten und das Miteinander im Quartier stärken“, erklärt Frye.

Die Südstadt soll mehr belebt werden

Seit 2024 ist schon einige Zeit vergangen und Frye ist auch über den Förderzeitraum hinaus noch mit seinem Vorhaben beschäftigt. „Ich bin darüber in Kontakt mit dem Bürgerverein Südstadt gekommen, die mich auch seither unterstützen“, erzählt er weiter. „Im Verhältnis zur Nordstadt und dem Ölberg fehlt hier diese gewisse Aktivität, also Kunst-Aktionen, Kollektive, Flohmärkte oder ähnliches, in der Südstadt in weiten Teilen.“

Weil Darius Frye das ändern will, ist ihm die karge Betonwand in den Sinn gekommen. Dahinter verbirgt sich die Wohnschaffer Riesen-WG mit 22 Mitbewohnenden, in der er auch selbst schon gelebt hat. „Die Hausbesitzer waren direkt begeistert von der Idee und haben uns freie Hand gelassen, auch bei der Motivwahl.“

Das wiederum war für die Künstler ausschlaggebend, obwohl am Anfang die Frage stand: Wer könnte das machen? „Ich habe Tom Berger, den Inhaber von Le Mietz Art, einfach per Instagram angeschrieben – wir haben telefoniert und dann war die Sache eigentlich schon geklärt“, meint Darius Frye. In seinem Laden an der Friedrichstraße verkauft Berger, der unter dem Künstlernamen Le Mietz auch als Rapper auftritt, unter anderem Graffiti-Zubehör.

Entsprechend sind die Kontakte zu Künstlern da und auch er selbst greift gerne zur Farbdose. „Ich finde es super, dass jetzt lokale Künstler die Möglichkeit bekommen, eine Wand zu gestalten. Beim Urbanen Kunstraum sind ja eher internationale Künstlerinnen und Künstler zum Zug gekommen“, sagt Berger und hat unter anderem André Pfeiffer dafür gewinnen können. „Es geht uns dabei nicht ums große Geld oder ums Budget. Wir arbeiten hier genau genommen ehrenamtlich und finanzieren mit den Fördergeldern und Spenden die Farben und anderes Equipment“, erklärt er.

Die Auswahl des Motivs stand relativ schnell fest, ebenso wie die Wahl, beim klassischen Graffiti zu bleiben. André Pfeiffer und Andreas Gothsch, der dabei für den Sketch zuständig war, setzen diesen jetzt an der Wand um, Berger und Dinsing unterstützen. „Wir arbeiten dabei auch mit Virtual Reality-Brillen, das ist verrückt, wie gut das mit den Proportionen und Relationen geht, weil das Motiv direkt vor den Augen auf die Wand projiziert wird und man die Linien nur noch nachziehen muss“, berichtet André Pfeiffer begeistert. Dass sie zudem sehr viele Freiheiten hatten, hat sie vom Projekt restlos überzeugt. „Außerdem ist es eine tolle Werbung. In den letzten Tagen habe ich schon etliche Visitenkarten verteilt und bin mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen“, freut er sich weiter.

„Wir hatten allerdings die Dimensionen etwas unterschätzt und zuerst einen zu kleinen Kran, am dritten Tag haben wir dann gewechselt, das ging mit der Firma Spielhoff ganz einfach“, erzählt Frye. Das Graffiti wird quer über die ganze Wand reichen, am Sonntag soll der erste Teil fertig sein. „Später gestalten wir noch nach oben und unten alles fertig“, erzählt Pfeiffer.

Weiter dürfte es auch mit dem Projekt „Südstadt beleben“ gehen. Frye hat noch einige Ideen, die er gerne umsetzen würde. „Vielleicht ein Südstadt-Get-Together, mit Livemusik und Flohmarkt zum Beispiel.“ Außerdem seien schon Menschen auf ihn zugekommen, die weitere Wände vorgeschlagen haben, die verschönert werden könnten. „Wir werden uns da demnächst mal zusammensetzen und einen guten Plan ausarbeiten“, meint Frye. Wichtig sei dabei, weiter einen pragmatischen Ansatz zu verfolgen, um dem Viertel mehr Aktivität zu verleihen.

Von Julia Nemesheimer (WZ – 11.07.2026 , 13:23 Uhr)